Predigt am 8.Mai in Calbe – j.kohtz

Liebe Gemeinde!
Ich habe heute mal ein Fernglas mitgebracht. Ein Opernglas. Damit kann man etwas, das in der Ferne ist, heran holen. Jäger brauchen das um zu Gucken, ob da ein Wild zu sehen ist – und die müssen ein Reh und ein Wildschwein unterscheiden können – … Na gut, das sollte man auch ohne Fernglas können – aber gleichwohl ist ein Fernglas interessant – zum Beispiel für Ornithologen, wenn sie Vögelstimmen hören und dann mit dem Fernglas den Vogel im Geäst finden ohne ihn beim Gesang zu stören. Manchmal sind die Sänger kaum zu sehen, doch mit dem Fernglas kann man den Vogel genauer betrachten und bestimmen, was für eine Vogelart das ist. Übrigens: der Naturschutzbund hat jetzt alle Interessierten aufgerufen, hinaus in die Natur zu gehen bzw auch zu Hause zu notieren, welche Piepmätze sich so bei uns tummeln. Leider ist es so, dass die Zahl und Vielfalt der gefiederten Sänger abnimmt, weil sie keine geeigneten Lebensräume mehr finden. Ich war kürzlich bei einem Gemeindeglied zu Besuch, ein Herr, schon über 80 Jahre alt, der kennt sich supergut mit Vögeln aus. Wir haben uns unterhalten und er hat erzählt, wie er immer Rücksicht genommen hat auf der Wiese oder dem Acker. Weil er wußte, das zum Beispiel unter den Blättern bestimmter Pflanzen gern Vögel brüten. Er hat dann einen Stock an den Stellen anbrachte, wo Vögel am Boden brüteten, damit er die Nester nicht aus Versehen zertritt oder mit seinen Maschinen Schaden anrichtet. Also ein ganz sorgsamer Mensch. der darauf achtet, das die Vögel auch ihre Chance haben.
Ja, aber wie gesagt, man kann nicht nur Vögel beobachten sondern auch alle anderen komischen Vögel – und man sieht dann genau Details von jemanden,  die Frage ist aber: sehen wir MEHR von dem Gegenstand oder dem Vogel oder dem Objekt, wenn man durchs Fernglas schaut – oder sehen wir weniger? Die Frage ist glaube ich garnicht so einfach zu beantworten. Wir sehen mehr Details, wenn wir das Fernglas schärfer stellen – wir holen das Objekt näher an uns heran. Aber im gleichen Zug, wie wir den Blick verengen auf eine bestimmte Nähe, ist die Umgebung ausgeblendet. Wir sehen also ein Detail, meinetwegen die Konturen der Federn – um beim Vogel zu bleiben, deren Färbung etc. aber wenn wir ganz nahe ran gehen, ist der Vogel als solcher nicht mehr sichtbar. Schon gar nicht seine Umgebung, in der er sich aufhält und lebt.
Ein anderes Beispiel: Manche Menschen brauchen eine Lupe, um lesen zu können. Das ist mühsam, denn meist sieht man nur das einzelne Wort aber den ganzen Text nicht. Wenn man weiter weg geht, dann sieht man das Ganze. Ein Abstand ermöglicht uns also, zwar nicht so sehr die Details zu sehen, dafür aber den Zusammenhang. Wenn wir den Mond sehen durch ein Fernrohr, dann können wir dort auf der Oberfläche sogar die Krater sehen, aber das Umfeld, also die Sterne, blenden wir dann aus. Wenn wir genau drauf zoomen, können wir bestimmte Einzelheiten erkennen, aber wenn wir weiter weg gehen, sehe wir mehr den Zusammenhang.

Der Wechsel zwischen dem Detail. das uns ja auch etwas sagt und dem Ganzen – er erst ermöglicht uns das Verständnis vom großen Zusammenhang.
Das gilt auch für uns selbst. Betrachten wir unsere Details, dann sehen wir nur ganz bestimmte Dinge, gehen wir weiter weg, sehen wir mehr von uns. Viele haben ja im Bad auch besondere Spiegel, Hohlspiegel, die Einzelheiten vergrößern. Da kann man dann zum Beispiel die Unreinheiten der Haut sehen und die Pickel – das ist immer ganz nett, aber das will man eigentlich garnicht sehen – und dann zupft man und drückt man an sich herum, aber dann schnell wieder weiter weg – und alles ist wieder in Ordnung.
Auch im übertragenen Sinne ist das so zu erleben. Wir sehen uns mal im Detail und bei größerem Abstand mehr den Zusammenhang.
Ich denke an viele Migranten, die jetzt zu uns gekommen sind. die meisten sind für uns noch Unbekannte. Wir sagen: das sind die Fremden. Die Flüchtlinge. Wir wissen kaum etwas von ihnen, und so ist unser Bild von ihnen allgemein. Alle scheinen irgendwie gleich aus zu sehen. Wir können noch keine Personen unterscheiden. Wir kennen zu wenig von ihnen.
Am Freitag Nachmittag hatten wir einen Mütter-Kind-Nachmittag bei uns in der Breite – viele sind gekommen, auch Onkels, Väter, Freunde. Wir haben uns erst einmal vorgestellt und unsere Namen genannt. und dann uns mit Zeichnen und Gesten verständigt. Ein paar konnten ganz gut Deutsch. Und so wurde es ein fröhlicher Nachmittag. Die Kinder haben gespielt und ich hab versucht, mir ein paar Namen einzuprägen. Mir wurde klar: Kennen wir die Leute nicht, sind sie für uns nur die Fremden. Eine indifferente Masse. Zommen wir aber ran, befasen wir uns also mit ihnen, werden aus der anonymen Menge plötzlich sehr konrekte Menschen, mit ihren Besonderheiten, ihrem Lächeln, ihren Gaben. Wir amüsieren uns über unsere Mißverständnisse…
Dadurch wird das Allgemeine, was ja manchmal nichts sagt, etwas sehr Konkretes. Aus dem Allgemeinen, dem Flüchtlingsstrom werden plötzlich sehr eigene Menschen: Sie und ich. Auch ich ermögliche diesen Menschen, mich konkreter wahrzunehmen. Vielleicht ist das ja der Prozeß, um einander besser verstehen zu lernen. Mir jedenfalls war dieser Nachmittag sehr aufschlussreich.
Ich habe gefragt, ob sie schon Deutsch lernen konnten – naja, bislang war da eher wenig Möglichkeit. Also hab ich auf Papier dies und jenes gezeichnet – ein Haus und dann die Begriffe dazu genannt: Dach, Fenster, Tür… etc. Und auch ein paar wichtige Sätze wie: ich suche einen Arzt oder: Wo finde ich eine Apotheke. Oder wann fährt ein Bus… Na, jedenfalls sah ich das Interesse, mehr solche Gelegenheiten zu bekommen um besser hier unser Land verstehen zu können und sich zurecht zu finden.
Ich erzähle das nur als Beispiel. Wir erleben Menschen anders, wenn wir sie an uns heran lassen als wenn sie weit weg sind. Je weiter weg, desto anonymer wird das Ganze, desto mehr wird daraus eine allgemeine Masse – und so reden wir dann auch über andere. Wir sagen: Die Deutschen, oder die Ausländer und der einzelne Mensch mit seinen Ecken und Kanten, mit seinen Gaben und Vorlieben etc. verschwindet.

Es ist doch ein interessantes Wechselspiel zwischen Nähe und Ferne. Wir entdecken Details – und vergessen dabei manchmal den Zusammenhang, sehen wir mehr den Zusammenhang, verschwimmen die Details.
Und so geht es uns auch. Wir schauen auf uns und beobachten an uns bestimmte Details oder Mängel oder Eigenschaften und sagen: Oh, das ärgert mich oder „das freut mich“ und verlieren auch bei uns selbst manchmal den Blick auf den Zusammenhang.
Zum Beispiel EIN Zusammenhang, den Gott uns sagt, ist: Du bist mein geliebtes Geschöpf! Wann hören wir diese freundliche Stimme Gottes, die uns das sagt? Sind wir nicht viel zu oft gefangen in Detail-Wahrnehmung oder allgemeiner, pauschalen Wahrnehmung? Und hören diese besondere Sichtweise Gottes kaum noch.
Wie wir uns selbst sehen, auf uns selbst schauen, das ist ein interessanter Aspekt, der unsere Verhaltensweise stark beeinflussen kann.
Ich hatte am Freitag nachmittag dann noch ein kleines Gespräch mit Jugendlichen, die in der Nähe von Rossmann gern zusammen sitzen. Ich fragte sie, was sie so machen, welche Interessen sie haben und habe sie auch zu unseren Kreativ-Angeboten eingeladen. Und da antwortet mir eines der jungen Mädchen: Wir können nichts. Wir können nur essen und eigentlich ist mit uns sonst nichts los. Ich dachte: meine Güte! Was für eine fast schon resignierte, negative Sicht auf sich selbst haben diese jungen Menschen. Sie erwarten von sich kaum etwas. Natürlich ist diese Sicht falsch. diese Jugendlichen haben wir wir alle Talente, sie können was, aber irgendwie hatten sie nicht die Chance, das auszuprobieren oder wurden nicht ermutigt, positiver von sich zu denken.
Sie trauen sich kaum etwas zu. Ich finde das fast dramatisch. Wenn Menschen von sich eine so schlechte Sicht haben, dass sie nichts können oder sich abgeschrieben fühlen oder sie eigentlich schon nichts mehr interessiert außer Essen und Trinken – das ist eine schlechte Sicht auf sich selbst und die Welt. ABER auf eine solche Sicht zu kommen, dafür gibt es auch immer Zusammenhänge! Die wir – wenn wir nahe ran gehen – hören können, aber wenn wir das mit etwas Abstand betrachten, erkennen wir möglicherweise auch die Zusammenhänge. Wo sind sie geboren, was haben sie erlebt, wie war ihre Kindheit, wie war das Wechselspiel zwischen Erfolg und Mißerfolg.
Ich gebe zu: In einer Gesellschaft, wo die Kinder fast selbstverständlich in die Fußstapfen der Eltern traten, war manches wohl einfacher. Heute ist das nicht mehr so und die Orientierungssuche für junge Menschen ist deutlich komplizierter geworden. Gerade deshalb ist die Verantwortung von Eltern als Menschen, an denen man sich als Kind orientiert,heute gewichtiger denn je.

Nun, wie ist das mit uns Christen? Welche Sicht haben wir denn als Christen auf uns? Was bewirkt die christliche „Sehhilfe“. Was macht sie mit uns Menschen?
Heute beginnt die ökumenische Gebetswoche für die Einheit der Christen. Da wird selbstkritisch deutlich: Wir beten für die Einheit und das tun wir schon seit 2000 Jahren, denn die Einheit in Christus war schon immer ein Gebetsanliegen und Wunsch der Kirchen. Aber: offenbar ist es einfacher, sich über Unterschiede zu definieren. Wir sind anders als die, sagen wir. Und ich kann es nur wiederholen: Das, was jetzt im Orient passiert, dass also unterschiedliche religiöse Strömungen im Islam gegeneinader kämpfen – das haben wir in Europa im 17.Jahrhundert durch. Und früher auch schon. Auch Christen haben sich gegenseitig die Wahrheit streitig gemacht und sich abgegrenzt. Leider gibt es das sogar noch heute, dass die eine christliche Gruppe die Kirchen der anderen Gruppe abbrennen. Es geht dabei also durchaus nicht nur um einen Konflikt zwischen verschiedenen Religionen.
Was Christen leiden, wurde bei einem Vortrag des kopisch-oprthodoxen Bischofs Damian deutlich, den er bei uns auf dem Konvent gehalten hat.
Ich fragte ihn, welche Netzwerke seine Kirche denn unterstützen. Seine Antwort: Ja, das Diakonische Werk und auch die EKD geben Unterstützung, allerdings eben auch sehr unterschiedlich gewichtet: Die evangelischen Glaubensbrüder und Schwestern erhalten das mit Abstand meiste an Zuwendungen, während die Orthodoxe Koptische Kirche eher wenig erhält.
Dafür mag es eine Logik geben, aber gerecht ist es nicht.
Hier in Deutschland leisten übrigens die Koptischen Christen vorbildliche Flüchtlingshilfe.
Davon zu erzählen würde jetzt aber zu weit führen. Mein Thema ist, was im Epheserbrief im 3.Kapitel steht: Der Verfasser des Schreibens sagt: „…Dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist; auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle.“
Damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. Die Fülle des Daseins erkennen – das war der Ansatzpunkt, warum ich das Fernglas mitgenommen habe. Wie erkennen wir die Fülle von uns selbst? Wie passiert das.
In dem sehr dicht gedrängten Text kann der Verfasser nur stammeln. Ihm fehlen eigentlich die Worte. Aber er ist sich sicher: Das geht durch Christus. Also mit der „Sehhilfe“, wenn wir mit den Augen von Jesus Christus uns und die Welt anschauen. Dann erkennen wir die Fülle und den Reichtum nicht nur des Einzelnen sondern der ganzen Gemeinschaft auf dieser Erde, auf dieser Welt.
Diese „Sehhilfe“ wünsche ich uns als Christen. Das wir über dem Detail am einzelnen Menschen nicht den Gesamtzusammenhang vergessen und über den allgemeinen Zusammenhang nicht den Einzelnen übersehen.
Christus liebt uns wie wir sind, er sieht uns in aller Idividualität aber er sieht uns auch im Zusammenhang seiner Schöpfung als seine Kinder. Und so dürfen wir uns auch sehen. Amen.

1. JAM -SESSION in Calbe

Herzlich willkommen alle, die Musik als gutes Medium verstehen, um sich kennen zu lernen.

  1. JAM-SESSION  – MUSIK – TANZ – BUFFET

Freitag, 29.April: Beginn: 18:00 Uhr   logo DL
WO: Breite 44, Calbe

 

Mitwirkende: – Band „Beat Cross“ aus Eilsleben
– Der Sänger und Schlagzeuger Johnny Kwesi Annan
– weiter geplant: eine Tanzgruppe, weitere Solisten, die ein Instrument spielen können.

Buffett = bring auch etwas mit. Wir teilen 🙂

Musik überwindet Grenzen – auch sprachliche.

Predigt am Sonntag Jubilate (17.4.16 j.kohtz)

Predigttext: 1 Johannes 5,1-4
1 Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. 2 Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten. 3 Denn das ist die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer. 4 Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

Liebe Gemeinde,
Das Thema dieser Predigt ist die Frage nach unseren Prägungen. Was prägt uns, wer prägt uns und warum sind wir, wie wir sind. Was sind unsere Vorlieben.
Bei diesem Thema fallen uns natürlich schnell die Gene ein; sie haben großen Einfluss darauf, wie und wer wir sind. Ob wir männlich oder weiblich werden, welche Augenfarbe und Haarfarbe wir haben werden – das und vieles mehr wird in den Genen vorherbestimmt. Nun, bei der Haarfarbe läßt sich die Forschung was einfallen und bald werden wir solche und andere Eigenschaften bewußt steuern und auch ändern können.
Ich habe gelernt – sogar unsere Lebenszeit wird genetisch geprägt. Klar, wir können uns gesund ernähren und uns viel bewegen, das alles mag uns fit halten, aber wie alt wir werden, hat auch mitt der genetischen Prägung zu tun. Unsere Lebenszeit spult sich gewissermaßen ab und einmal ist dann Schluss. Der stete Erneuerungsprozeß ist beendet.

Was unser Christsein betrifft, da hat das Evangelium des Sonntags schon interessante Aussagen getroffen im Bild vom Weinstock und den Reben.
Auch hier können wir von Prägung sprechen. Wir sind durch Christus geprägt. Er ist der Weinstock, wir die Reben. Jeder Winzer weiß – die Eigenschaften des Weines hängen eng mit dem Weinstock zusammen. Wie der Wein wird, dazu tragen zwar auch Sonne, Regen und Boden bei, aber die Grundeigenschaften sind schon vorgeprägt. Als Christen sind und werden wir also durch Christus geprägt.
Der Apostel Paulus drückt das im 2.Brief an die Korinther (2.Kor.5,17) so aus: „Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Das ist der Wochenspruch für die neue Woche.
Wir werden also durch Christus neu geprägt.
Ich habe einen interessanten Beitrag gefunden zum Thema der Prägungen und Vorlieben. Aus ihm geht hervor, dass auch unsere Entscheidungen unsere Vorlieben prägen.
Ich will daraus zitieren:
„Mehr als 50 Jahre ist es nun her, dass der US-Psychologe Leon Festinger die Theorie der kognitiven Dissonanz postulierte – doch seine wissenschaftlichen Nachfahren diskutieren die Erkenntnis noch heute.Hinter der Dissonanz verbirgt sich ein unangenehmes Gefühl, das immer dann auftritt, wenn in unserem Kopf verschiedene Absichten, Wünsche oder Gedanken aufeinanderprallen. Und dieses Gefühl wollen wir so schnell wie möglich los werden.Ein simples Beispiel: Angenommen, wir müssen zwischen zwei Alternativen wählen, sagen wir Urlaub am Strand oder in den Bergen. Nehmen wir weiter an, wir entscheiden uns für den Strand. Nun wäre es sinnlos, sich weiter mit dem Urlaub in den Bergen zu beschäftigen – selbst wenn der vielleicht auch schön wäre. Doch wir haben uns nun mal für den Strand entschieden. Und dadurch schätzen wir den nun höher ein als die Berge – obwohl es dafür objektiv keinen Grund gibt. Die Entscheidung hat unsere Vorlieben geprägt.
Diese Erkenntnis gilt längst nicht nur für Reisepläne, sondern in vielen verschiedenen Bereichen. Immer wenn wir eine Wahl treffen, sei sie beruflicher oder privater Natur, finden wir diese Wahl hinterher umso besser und die abgelehnte Alternative weniger reizvoll. Einfach deshalb, weil wir der Dissonanz aus dem Weg gehen wollen – und uns deshalb sogar Fehler schönreden.
Mehr noch: Diese Entscheidungen wirken sich sogar noch Jahre später aus. So lautet zumindest das Fazit einer neuen Studie der britischen Neurowissenschaftlerin Tali Sharot vom University College in London.
Das Experiment verlief in drei Schritten. Zunächst sollten 39 Probanden im Alter zwischen 19 und 35 eine Liste mit 80 Reisezielen nach ihrer Attraktivität bewerten. Nun durfte die eine Hälfte der Freiwilligen sich zwischen zwei Urlaubsalternativen entscheiden. Der anderen Hälfte wurde diese Entscheidung von einem Computer abgenommen. Zuletzt sollten beide Gruppen die Ziele wieder nach ihrer Attraktivität bewerten.
Wenig überraschend: Wer die Ziele selbst hatte auswählen dürfen, bewertete just diese nun höher als vorher – ein typisches Beispiel für die Wirkung kognitiver Dissonanz. Das eigentlich Erstaunliche beobachtete Sharot drei Jahre später.
Da kontaktierte sie die Teilnehmer erneut und fragte wieder nach ihren Reisepräferenzen. Und siehe da: Die Wahl für das eine und gegen das andere Urlaubsziel wirkte immer noch nach. Wer sich aus freien Stücken für ein Land entschieden hatte, fand es jetzt immer noch reizvoller.
Offenbar wirken sich Entscheidungen also nicht nur unmittelbar danach auf unsere Vorlieben aus – sondern prägen uns auch noch Jahre später.“ (gefunden in: http://www.alltagsforschung.de/entscheidungen-pragen-unsere-vorlieben/ )

Ich kann das auch bestätigen. Irgendwann haben meine Frau und ich schätzen gelernt, unseren Urlaub mit dem Fahrrad zu unternehmen. Das macht uns bis heute Spass und wir würden diese Urlaubsart bisher immer anderen vorziehen.
Wir alle haben unsere Vorlieben. In der Freizeitgestaltung, im Alltag – der eine ist mehr praktisch unterwegs, ein anderer liest oder fröhnt mehr geistigen Unternehmungen. Und auch im Umgang mit anderen Menschen gibt es eine Menge Prägungen, die unser Verhalten bestimmen.
Der sehr intensive Text des Briefeschreibers des 1. Jophannesbriefes weist uns auf eine besodere Prägung hin: Über alle persönlichen Prägungen und Vorlieben hinaus werden wir vom Glauben an Christus bestimmt. Unsere Prägung erweist sich darin, dass wir Gott lieben Und zwar nicht nur allgemein theoretisch sondern ganz praktisch: Wir halten seine Gebote. Vielleicht hat der Prediger damals gemerkt, dass die Zuhörer ihn leicht erschrocken anschauten… Jedenfalls setzt er fast beschwichtigend hinzu: „..und seine Gebote sind nicht schwer.“
Das scheint auch logisch: Was wir gern machen, wo unsere Vorlieben liegen, das fällt uns ja leicht. Wenn meine Frau und ich radeln, machen wir das ja gern und empfinden es nicht als Last oder Zumutung.
Gotts Gebote halten – das setzt eine bewußte Entscheidung voraus. Eine Entscheidung, die wir zu treffen haben.
Der folgende Satz ist bei mir im Bibeltext fett gedruckt hervorgehoben: „..und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ Ich hab mich gefragt, wieso ist dieser besonders hervor gehoben. Nun, ich denke mir, bei allen Vorlieben und Prägungen haben wir es ja mit ganz unterschiedlichen Situationen zu tun. Manche fordern uns heraus, manche machen uns Sorgen, manche empfinden wir als Zumutung…Aber wir haben uns damit auseinander zu setzen. Und so fühlen wir uns manchmal super, ein andermal mag die Situation uns wie eine Prüfung vorkommen. Aber – so der Briefeschreiber – seid zuversichtlich! – unser Glaube ist der Sieg, der das alles überwindet.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus, unserem Herrn. AMEN

Gemeindefahrt am 24.April

Herzliche Einladung zu einem kleinen Gemeindeausflug am Sonntag, den 24.April:

Wir fahren zuerst zum Regionalgottesdienst nach Sachsendorf, und von dort weiter nach Kloster Jerichow, wo wir eine Führung durch die historische Anlage und dann Kaffee und Kuchen geniessen können.

 Wir haben einen Bus mit max. 48 Plätzen bestellt. Er darf voll werden. Kosten pro Teilnehmer: 15,- Euro.
Ablauf:
Der Bus hält
8.45 Uhr in Calbe
9.00 Uhr in Brumby (beide Haltestellen)
9.15 Uhr in Glöthe (jeweils Haltestelle)
9.20 Uhr in Üllnitz (Haltestelle)
9.30 Uhr in Neugattersleben (Haltestelle)

10.00 Uhr Regionalgottesdienst in Sachsendorf anschl. kleiner Imbiss

ca. 12.30 Uhr Weiterfahrt nach Kloster Jerichow dort 14.00 Uhr Führung durch die Anlage
ca. 15.00 Uhr Kaffee und Kuchen
Rückfahrt und Ankunft in Brumby ca. 18.00 Uhr


ANMELDUNG: im Gottesdienst am Sonntag oder anrufen:0151 275 88 510
oder 039291 49908 (Büro) oder per email: pfarrbuero.calbe@web.de

Wir freuen uns auf rege Beteiligung:-)

 

Predigt am 10.4.16 j.kohtz

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.Amen!
In den Lesungen dieses Sonntags haben wir es schon gehört: Es geht um die Frage der Orientierung. Woran orientieren wir uns in unserem Leben. Und welche Konsequenzen hat das dann für unser Leben.
Ich gestehe, ich bin ein Fan von Sting. Von ihm ist das Lied: Let your soul be your pilot – auf deutsch: Lass deine Seele dein Pilot sein, oder Nimm die Seele als Lotsen.
Ich lese uns den Text vor: (habe ich gefunden bei: www.songtexte.com)

 

LET YOUR SOUL BE YOUR PILOT SONGTEXT ÜBERSETZUNG

Wenn du am Boden liegst und sie zählen dich aus
Wenn du kein Geheimnis mehr hast
Wenn dich Sorgen quälen
Wenn deine Landkarte keine Orientierung bietet
Wenn du nichts erfährst
und der Kompass keine vernüftige Richtung anzeigt
Nimm die Seele als Lotsen
vertrau dich ihr an
sie wird dich gut führen
Wenn die Ärzte dich nicht heilen können
Wenn Medizin dir nicht hilft
Wenn kein Wort tröstet
Wenn man nicht einmal mehr Lügen kann
Keine brauchbare Information mehr
Und die Kompassnadel dreht sich
die Nadel dreht sich von Himmel zu Hölle
Nimm die Seele als Lotsen
vertrau dich ihr an
sie wird dich gut führen
Und du blickst aus dem Fenster
zu den Lichtern oben am Berg
alles scheint im Moment so unendlich weit weit weg von dir zu sein
der dunkle Raum scheint so ruhig
Lass deine Schmerzen mein Kummer sein
lass deine Tränen auch meine Tränen sein
lass deinen Mut mir zum Vorbild werden
damit du ein echten Norden findest
Wo es keine brauchbaren Information mehr gibt
Und der Kompass keine vernüftige Richtung anzeigt
Nimm die Seele als Lotsen
vertrau dich ihr an
vertrau dich ihr an
vertrau dich ihr an
auf deinem Weg

Wer oder was kann uns Orientierung geben. Sting beschreibt in seinem Lied das Leben mit seinen Höhen und Tiefen. So kann es uns gehen. Unser Leben als ein Weg, der uns durch weites Land führt, durch schöne Täler aber auch manchmal durch tiefe dunkle Schluchten; durch weites Land und auf ungeahnte Höhen. So ist das Leben: vergleichbar einem Weg, wo wir heute noch nicht wissen, was hinter der nächsten Kurve auf uns wartet.
Sting beleuchtet sensibel die Herausfordeungen, die wir alle irgendwann zu bestehen haben.
Was machen wir, wenn wir am Boden liegen? Wenn dich Sorgen quälen, wenn deine Landkarte keine Orientierung mehr bietet.
Wenn der Kompass keine vernünfige Richtung mehr anzeigt – woran orientierst du dich, woran hältst du dich fest?
Was gibt uns den Halt, wenn wir ihn brauchen? Was führt uns sicher durch die Strudel und Stürme und Anfechtungen?
Nimm die Seele als Lotsen, vertrau dich ihr an. Sie wird dich gut führen.

Nun, manchmal sind wir schnell dabei, von unseren Erfahrungen zu sprechen. Unseren Lebenserfahrungen. Aus Erfahrung klug werden, sagt man ja. Aber Erfahrungen – können sie wirklich unser Pilot sein? Wir sammeln im Laufe des Lebens viele Erfahungen. Aber helfen sie uns weiter? Sicherlich, manchmal tun sie das. Aber viel zu oft haben sie die Eigenschaft, uns einzugrenzen, einzuschnüren, so dass wir kaum noch die Möglichkeit haben und uns nicht trauen, neue Erfahrungen zu machen, unkonventionelle Schritte zu gehen, neu zu denken, und zu handeln. Erfahrungen können dann wie ein Panzer sein, der unsere Bewegungsfreiheit einengt.
Besonders deutlich spüren wir das, wenn wir sogenannte schlechte Erfahrungen machen. Sie können sich auf unser ganzes Leben und auf unsere Lebenseinstellung auswirken.
Doch das hilft uns nicht weiter – das sehen wir schnell.

Sting: Wenn die Ärzte dich nicht heilen können, wenn Medizin dir nicht hilft; wenn ein Wort tröstet wenn man nicht einmal mehr lügen kann – und ich glaube, er meint hier die tröstende Lüge, wenn es keine brauchbare Information mehr gibt – und die Kompassnadel dreht sich von Himmel zu Hölle – woran orientieren wir uns?

In den biblischen Texten des heutigen Sonntags wird uns eine klare Antwort gegeben. Christen verlassen sich in ihrem Leben auf den guten Hirten Jesus Christus. Jesus als unser guter Hirte. Er führt uns durch unsere Lebenswege. Auch so, wie es der Psalm 23 beschreibt. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen.“
In allen Anfechtungen, bei allen Herausforderungen und Prüfungen, vor die wir gestellt werden, dürfen wir uns auf diesen Jesus Christus verlassen. Ihm können wir vertrauen. Ein Vertrauen, dass viel tiefer gründet als alle Erfahrungen es je können. Dieses Vertrauen wurzelt nicht in Lebensweisheiten oder Parteiprogramme, sondern hat seinen Grund in Christus. Paulus sagt einmal an anderer Stelle: Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.(1.Kor. 3,11)
Sting : „Nimm die Seele als Lotsen. Vertrau dich ihr an.“ Bei allen Stimmen, die uns umgeben, alle Ratschläge und klugen Tipps, die es so gibt – die dann doch mehr verwirren als weiter helfen – höre auf deine Seele!
Ich finde, dieses nachdenkliche Lied hat große Ähnlichkeit mit den Worten des Psalms 23, den wir vorhin gebetet haben. Auch im Psalm 23 wird unser Leben beschrieben als ein Weg, eine Straße. Auf der wir heute noch nicht wissen, wohin sie uns morgen führt. Aber – das muss uns, so sagt der Psalmbeter – nicht ängstlich machen! Denn „der Herr ist mein Hirte“.
Die Stimme der Seele – das meint nicht das Eche unseres sogenannten gesunden Menschenverstandes. Es meint – das können wir als Christen sagen – die leise Stimme Gottes, die in Jesus Christus so hilfreich zu Wort gekommen ist.

In der letzten Strophe des Liedes weist Sting auf etwas sehr Hlfreiches hin, auf einen wunderbaren menschlichen Zug: Lass deine Schmerzen mein Kummer sein
lass deine Tränen auch meine Tränen sein
lass deinen Mut mir zum Vorbild werden…
Wir gehen unseren Weg nicht allein. Es ist gut, wenn einer mit uns geht, der uns versteht, unseren Kummer mit uns teilt, mit uns weint aber eben auch von der Kraft der Ermutigung weiss.

Wenn also nichts mehr zu helfen scheint, es keine brauchbaren Informationen mehr gibt, und der Kompass keine vernünftige Richtung mehr anzeigt – erinnern wir uns an Christus, der all diese Wege mit uns geht uns – er kann unser Lotse sein.
Und der Friede Gottes, der höher ist als unser Tun und Denken, er bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. AMEN.

Predigt 13.3.16 j.kohtz

Liebe Gemeinde,
Wenn Christen ihr Verhältnis zu Christus umschreiben sollen, dann geht das wohl am besten mit dem Wort Glauben. Wir glauben an Gott, und wir glauben an Jesus Christus. So sagen wir es in Gemeinschaft mit vielen anderen Kirchen in der Welt in unserem Apostolischen Glaubensbekenntnis. Im Glaubensbekenntnis haben Christen das zusammengetragen, woran sie glauben. das Glaubensbekenntnis, das wir meist im Gottesdienst sprechen, gibt es seit dem 5.Jahrhundert.
Vergangenen Freitag hatten wir ein regionales Konfirmandentreffen bei uns im Gemeindehaus. Thema war unser Glaubensbekenntnis bzw. das, was wir glauben.
Ich haben folgenden Fragebogen verteilt.

Fragebogen

Jeder Jugendliche sollte zunächst für sich die Fragen beantworten. Anschließend haben wir die Antworten zusammengetragen. Dabei stellte sich heraus, dass meistens das Kästchen 2 und 3 angekreuzt wurde. Also: „Könnte schon sein“ und „Weiß nicht so recht“. Diese ehrlichen Antworten spiegeln gut die Situation unserer Jugendlichen. Denn die meisten von ihnen machen ihre ersten Schritte hin zu einem bewußten Leben mit ihrem Glauben. Und viele Fragen dazu sind noch offen und bedürfen weitere Erfahrungszeit.
Der Glaube – er wird uns nicht wie ein Medikament eingeimpft sondern er muss wachsen.
Glauben – das meint ja nicht zuerst das Gegenteil von Wissen sondern hat viel mehr mit Vertrauen zu tun.
Wie das Vertrauen entsteht uns sich entwickelt, das wissen wir im Grunde alle aus persönlichem Erleben.
Wenn Kinder geboren werden, dann spüren sie meist gleich die Wärme der Mutter. Sie spüren den Herzschlag und bekommen von ihr, was sie zum Leben brauchen. Mutter und Kind sind eng miteinander verbunden. Das Baby kann ohne die Mutter nicht lange auskommen. In der Nähe zu ihr wächst sein Vertrauen. Dieses Vertrauen ist umfassend.
Wenn dann das Kind größer wird, beginnt es , die Welt zu erkunden. Krabbelt auf allen Vieren umher und darf sich sicher sein, dass die Augen von Papa und Mama aufpassen, dass kein Unglück passiert. Wenige Jahre später ist das Kind schon viel selbständiger und will eigene Entdeckungen machen. Jetzt erlebt es, dass die Eltern auch mal laut sind und fordern. Zum Beispiel an einer Ampel stehen zu bleiben, wenn die auf ROT ist. Und wenn das Kind nicht hört, bekommt es den festen Griff der Eltern zu spüren. Der hält es fest, damit kein Unglück passiert.
Das Kind lernt, dass die Eltern, denen es vertraut, von ihm Gehorsam verlangen. Nicht, um es zu schikanieren sondern um es vor Schaden zu bewahren.
Auch wenn sie manchmal nicht verstehen, warum die Eltern das wollen, wird ein Kind, das Vertrauen zu seinen Eltern hat, dieses nicht als was Negatives erinnern.

Vertrauen und Gehorsam gehören zusammen. Oder ich kann auch sagen: Glaube und Gehorsam gehören zusammen. Ich glaube meinen Eltern, ich vertrauen ihnen – und darum werde ich auch ihre Grenzziehungen verstehen lernen.

Klar ist aber: Wenn ich dieses Vertrauen nicht aufbauen kann, werde ich auch kaum verstehen und begreifen, warum ich gehorchen soll.
So ist es auch mit unserem christlichen Glauben. Er braucht ebenfalls die spürbare Nähe – in diesem Fall die Nähe des Wortes Gottes, die Möglichkeit, Jesus näher kennen zu lernen.
Kinder lernen und entwickeln ihren Glauben in den Erfahrungen, die sie mit anderen Menschen, natürlich besonders Mutter und Vater, machen.
Einige Generationen vor uns gab es noch die Sitte, dass der Vater abends seine Familie um den Tisch versammelte und ihnen aus der Bibel vorlas. Heute zumindest singen die Eltern ein Abendlied oder beten am Kinderbett zur guten Nacht.
Und dann kommt auch die Zeit, wo die Kinder flügge werden und ihre eigenen Wege gehen wollen. Und dann erscheint ihnen alles, was die „Alten“ so sagen und leben, total altmodisch und verstaubt. Da wird dann mancher Streit ausgefochten – auch der um Autorität und Vertrauen.
Später dann, wenn alles gut geht, erinnert man sich, dass die Eltern doch bei vielem richtig lagen und das Vertrauen wird noch tiefer und reifer.

Glaube braucht Vertrauen und Glauben will wachsen. Und Glaube – also unsere Beziehung zu Gott – kann auch in die Krise kommen.
Dann nämlich, wenn unsere Erfahrung unserem Glauben zu widersprechen scheint. Wir glauben, dass Gott gut zu uns ist – und dann wird unser Leben durcheinander gebracht – durch Krankheit, Schicksalsschläge oder den Verlust von lieben Menschen, durch Kriege oder andere Nöte. Wir denken: Wie kann Gott das zulassen! Und wir werden unsicher. Wir hadern mit Gott. Wir fühlen uns dann meist von Gott verlassen.
In unserem Predigttext wir nun nicht einfach nur unser Glaube erwartet, es wird auch unser Gehorsam eingefordert. Und zwar kein Gehorsam aus der Angst heraus, sondern ein Gehorsam, der auf tiefem Vertrauen in Gottes Liebe beruht. Schaffen wir das?

Beispiele, wo unser Gehorsam gefordert wird, sind ja die 10 Gebote. Da gibt es keine faulen Kompromisse. Entweder ich halte sie ein oder ich halte sie eben nicht ein.
Wir merken: Unser Glaube kann uns immer auch Ausflüchte ermöglichen.. Ob unser Glaube aber wirklich tragfähig ist, entscheidet sich im festen Vertrauen zu Jesus. Oder eben im Gehorsam gegenüber seinen Weisungen.

Nun, in der Bibel finden wir viele Geschichten, die erzählen, wie sich an der Person Jesus die Geister scheiden. Die einen sind von ihm begeistert und felsenfest überzeugt, dass ER der Messias, der Heiland ist, für die anderen ist er ein Wanderprediger, dessen Botschaft sie als Bedrohung empfinden. die einen lieben Jesus, die anderen wollen ihm umbringen.

Da ist Petrus, der Jünger, der ihm auf die Aufforderung von Jesus sofort folgt; doch als Jesus gefangen wird, verleugnet Petrus öffentlich, dass er Jesus kennt.

Und auch Jesus selber wird geprüft. Doch er ist sich der Liebe Gottes SO SICHER; dass er sogar seinen eigenen Tod in Kauf nimmt. In unserem Predigttext heißt es:
„Als Jesus unter uns Menschen lebte, schrie er unter Tränen zu Gott, der ihn allein vom Tod retten konnte. Und Gott erhörte sein Gebet, weil Jesus den Vater ehrte und ihm gehorsam war. Dennoch musste auch Jesus, der Sohn Gottes, durch sein Leiden Gehorsam lernen.“
Jesus muss leiden, aber er wirft es Gott nicht vor. Er vertraut darauf, dass Gott ihn liebt.
Jesus opfert nicht andere Menschen für seinen Glauben, sondern läßt sich selber zum Opfer machen. So wird er zum Vorbild unbedingten Vertrauens, unbedingten Gehorsams.

Und für uns wird er so zum Hoffnungsgrund unseres Glaubens. Hoffnungsgrund deshalb, weil wir alles Leid, alles Leiden nun nicht mehr als Strafe Gottes ansehen müssen. Vielleicht prüft uns Gott, aber er straft uns nicht. Obwohl gerade diese Ansicht weit verbreitet ist, auch unter Christen. Sehr schnell meinen wir, wenn jemand Pech hat oder viel leiden muss, dass Gott ihn bestraft. Und dass Menschen, die erfolgreich sind und auf der Sonnenseite des Lebens, von Gott belohnt sind.
Nein, so ist es nicht. Gott ist nicht einfach ein Gott der Erfolgreichen. Alles Leid hat in Christus seine Rechtfertigung verloren. Denn er hat es mit sich ans Kreuz genommen.

Wer sich Gott anvertraut, darf sich auch im Leiden von Gott getragen und gehalten fühlen.
AMEN

Pilgern 2016 15.-17.April

In der Gemeinschaft unterwegs sein – vom 15.-17.April besteht die Möglichkeit, sich auf einen Pilgerweg zu begeben.

Detaillierte Informationen dazu und zur Anmeldung  finden Sie HIER.

Ökumenischer Weltgebetstag der Frauen

Banner WGT 2013 234x60

Willkommen zum Weltgebetstag, den wir am 4. März um 18.00 Uhr in St.Stephani (Patensaal und Winterkirche) fröhlich begehen. Nicht nur Frauen sind eingeladen! Anschließend gibt es Kostproben aus kubanischer Küche.

Predigt zum 28.2.16 j.kohtz

Predigt 28.2.16

Liebe Gemeinde
bei einem Bibelgespräch in den letzten Tagen auf einem Dorf kamen wir auf die Bedrohungen und Gefahren zu sprechen, denen wir ausgesetzt sind und was wir dagegen tun können.
Schnell waren wir bei den Dingen, die wir alle kennen: Krankheiten, Naturkatastrophen wie z.B. Hochwasser aber auch der Mangel an Gemeinschaft wurden genannt.
Uns fielen dann auch einige Möglichkeiten ein, diese Gefahren abzuwehren. Bei Krankheiten zum Beispiel Medizin, wenn anderes nicht mehr hilft. Aber auch ein gesunder Lebensstil, der uns vorbeugend vor möglichen sogenannten Zivilisationskrankheiten bewahren kann.
Im Grunde wissen wir alle, dass wir uns im Durchschnitt zu wenig bewegen, zu viel essen und zu viel sitzen. Das Tückische ist, dass es uns meist nicht auffällt, auch, weil ja die meisten, die wir kennen, sich so verhalten wie wir es tun. Alte Gewohnheiten lassen sich sehr schwer ändern. Immerhin – viele nutzen die 40 Tage der aus christlicher Tradition stammenden Fastenzeit, um mal was anderes auszuprobieren. Einige üben Konsumverzicht, andere wollen abnehmen und wieder andere was neues ausprobieren.

Spannend wurde das Gespräch auch beim Thema Gemeinschaft. Der Mangel an Gemeinschaft wurde beschrieben: Man kennt kaum noch die Nachbarn, weil die weit weg tagsüber arbeiten, und Treffpunkte und Gelegenheiten, einfach mal ungezwungen sich zu unterhalten, gibt es auch kaum noch. Der Konsum im Dorf hat längst geschlossen, der Bäcker hat aufgegeben, die Kneipe ist zu. So zieht man sich in seine vier Wände zurück, und hat ja sowieso genug zu tun. Garten, Haus, diverse Hobbies…und nicht zuletzt die Familie fordern ihre Zeit.
Alle sind beschäftigt, aber die gegenseitige Wahrnehmung hat nachgelassen.
So scheint jeder sein Ding zu machen. Wie gesagt: Das war ein Eindruck von Menschen, die auf dem Dorf leben.

Wer diktiert eigentlich, wie wir uns verhalten können? Nun, der Alltag, die Gewohnheiten und Pflichten, die Arbeit. Und nicht zuletzt: Unsere Gesundheit.
Dies alles könnten wir zusammenfassend als Fakten bezeichnen. Tatsachen, die einen hohen Einfluss auf unser Leben und Verhalten haben.
Aber neben den sogenannten Fakten treten doch noch weitere wichtige Dinge. Es ist der Bereich der Ansichten, der Ideale, und der Erfahrungen, und es ist bei vielen Menschen die Religion bzw. der Glaube.
Und hier setzt auch unser Predigttext an. Es ist ein Abschnitt aus dem Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Ephesus. Er hat sie wahrscheinlich selbst gegründet und so liegt ihm ihre Entwicklung sehr am Herzen.
Er schreibt (Kap.5,1-8): Ihr seid Gottes geliebte Kinder, daher sollt ihr in allem seinem Vorbild folgen. Geht liebevoll miteinander um, so wie auch Christus euch seine Liebe erwiesen hat. Aus Liebe hat er sein Leben für uns gegeben. Und Gott hat dieses Opfer angenommen. Ihr gehört zu Gott. Da passt es selbstverständlich nicht mehr, sexuell zügellos zu leben, über die Stränge zu schlagen oder alles haben zu wollen. Ihr sollt nicht einmal darüber reden! Genauso wenig ist Platz für Klatsch, Sticheleien und zweideutiges Gerede. Vielmehr sollt ihr Gott danken und ihn loben. Denn eins ist klar: Wer ein ausschweifendes, schamloses Leben führt, für den ist kein Platz in der neuen Welt, in der Gott und Christus herrschen werden. Das gilt auch für alle, die von Habgier besessen sind; denn solche Menschen beten ihre eigenen Götzen an. Lasst euch von niemandem verführen, der euch durch sein leeres Geschwätz einreden will, dass dies alles harmlos sei. Gottes Zorn wird alle treffen, die ihm nicht gehorchen. Darum meidet solche Leute! Früher habt auch ihr in Dunkelheit gelebt; aber heute ist das anders: Durch den Herrn seid ihr im Licht. Darum lebt nun auch wie Kinder des Lichts! Ein solches Leben führt zu aufrichtiger Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.

So! Alles klar?
Vielleicht sortieren wir einmal, was dem Apostel wichtig ist:
Wir haben ein Vorbild, dem wir folgen sollen. Das ist Christus.
Die Orientierung an ihm, sprich die Nachfolge, hat Auswirkungen auf uns: Christen weisen bestimmte Qualitäten auf. Und es hat Folgen für unser Verhalten.

Unsere Welt ist voller Vorbilder, voller Konzepte, voller Ideale. Als Christ kann man schon mal fragen: Was daran ist denn noch christlich. Und man kann fragen, ob sich christliche Ideale heute überhaupt noch im Stimmengewirr der Meinungen durchsetzen können. Aber es gab auch Leute, die diese Nachfolge sehr ernst genommen haben. Auch an denen können wir uns orientieren: Franz von Assisi zum Beispiel verdeutlicht eindrücklich das Armutsideal.
Graf Zinzendorf (in unsrer Region kein Unbekannter) kann als Vorbild christlicher Frömmigkeit gelten und die „Jesus people * lebten das Ideal der Freundlichkeit.
ARMUT (als bewußter Verzicht!), FRÖMMIGKEIT, FREUNDLICHKEIT.
Drei Ideale – heute wie auch schon vor Jahrhunderten eher von einer Minderheit vertreten und gelebt.

Aber- wie ich finde – nach wie vor attraktiv! Da ist eine sehr erfolgreiche Geschäftsfrau, die merkt, dass dies nicht ihr Lebensziel ist, reich zu sein. Sie sucht mehr Sinn, mehr Erfüllung, und sie merkt, dass Konsum ihr das nicht bieten kann. Sie steigt aus. Sucht sich einen Ort und Menschen, die wie sie vom Leben mehr erwarten. Mit ihnen zusammen lebt sie und spürt so etwas wie Erfüllung!
Da sind dieser Tage Menschen, die spüren, das Hass und Gewalt tiefe Verletzungen bei Menschen verursachen. So banal es klingen mag: In vielen Situationen brauchen wir in unsrer Gesellschaft mehr Freundlichkeit. Das kann uns die Augen öffnen, kann Hoffnung geben, und befreit aus dem Zwang von Gewalt und Gegengewalt.
Und die gelebte Frömmigkeit von Papst Franziskus kann Brücken bauen und Vertrauen schaffen für viele verunsicherte Christen.

Aber im Text des Apostels steckt noch mehr drin:
sein JA zur Güte, zum Wohl des anderen
sein JA zur Wahrheit, die den anderen zu seinem Recht kommen läßt
sein NEIN zur Sexualität als Konsum, zum Partner als Ware
sein NEIN zur Lüge – also einer Sprache, die bewußt Verunsicherung schafft
sein NEIN zum Geld als Instrument der Unterdrückung und Ungerechtigkeit

Was für ein Anspruch! Gut zu wissen, dass der Apostel Paulus seine Predigt nicht an die große Welt richtet. Er ist kein Weltverbesserer. Er richtet sich in seinem Brief an die Gemeinde. Diese Gemeinde fand das Gemeinsame in ihrem Glauben an Christus. Das verband sie. Und das grenzte sie in gewisser Weise ab von vielen anderen Zeitgenossen. Aber wohl darin empfanden viele Gemeindeglieder die zum Teil schmerzhafte Spannung ihres Alltags. Wer will denn schon außen vor sein. Vielleicht als Sonderling gelten?
Die Geschichte zeigt, die Gemeinschaften der Christen waren immer wieder durch diese Spannung zwischen christlichem Anspruch und weltlichen Idealen herausgefordert. Martin Luther selbst war es, der seine Kirche heftig kritisiert hat, weil sie nach seiner Ansicht zu sehr in weltliche Machenschaften und Interessenkonflikte verstrickt war. Wo blieb die Orientierung an Christus?!?
Auch heute ist diese Frage aktuell. Sie bekommt sogar noch eine besondere Note durch den Umstand, dass nun auch viele streng religiös geprägte Menschen aus dem Mittelmeerraum zu uns kommen. Christen genauso wie Moslems. Und erneut wird die Frage heftig diskutiert: Welche Maßstäbe im Miteinander sollen für uns hier in Deutschland gelten?

Paulus weiß, aus eigenem Bestreben sind wir als Christen schnell überfordert. Und so ist sein Brief kein Appell sondern vielmehr eine Einladung. Eine Einladung, wie die Kinder des Lichts zu leben. Dies ist möglich, wenn unser Leben vom Vertrauen in Christus getragen wird. Das Vertrauen in Christus ist viel tiefer gegründet als irgendein Vertrauen in unsere eigene Kraft. Wir müssen das LICHT garnicht erfinden. Es ist schon in unserer Welt. Wir können einfach nachfolgen… also hinterher gehen.
Dann wird sich Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit entfalten.
Amen

1 4 5 6 7